Nach einem offiziellen Urteil des EU-Gerichts bleibt Zalando unter der strengen Einstufung als Very Large Online Platform (VLOP) laut Digital Services Act (DSA). Das Gericht lehnte die Klage des Unternehmens ab – die Einstufung bleibt bestehen. Diese Entscheidung hat weitreichende Folgen für Zalando und stellt eine wichtige Präzedenz unter den DSA-Fällen dar.
Zalando hat bereits angekündigt, das Urteil anzufechten und den Fall vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) weiterzuführen.
Hintergrund: Was führt zur Einstufung als VLOP?
- Regulatorische Anforderung: Plattformen mit mehr als 45 Millionen aktiven monatlichen Nutzer:innen innerhalb der EU fallen unter die VLOP-Kategorie und unterliegen erweiterten Anforderungen.
- Nutzerzahl als entscheidendes Kriterium: Das EU-Gericht stützt sich auf die Kombi-Zahl von über 83 Millionen aktiven Nutzer:innen, einschließlich derjenigen über das Partnerprogramm. Da Zalando nicht unterscheiden konnte, wer tatsächlich Inhalte von Drittanbietern konsumiert hat, gilt die Bruttonummer als entscheidend.
- Hybridmodell zählt nicht aus: Zalando hatte argumentiert, sein hybride Plattformstruktur – bestehend aus eigenem Handel plus Partnerprogramm – sei kein klassisches Marktplatzmodell. Diese Argumentation fand jedoch vor Gericht keine Zustimmung.
Konsequenzen und nächste Schritte
- Strengere Pflichten unter DSA: Zalando muss nun Transparenz über seine Algorithmen schaffen, schädlichen oder illegalen Drittinhalte stärker kontrollieren und regelmäßige Risikobewertungen durchführen.
- Erste Anfechtung unter DSA: Als erste Klage dieser Art ist der Fall richtungsweisend – auch Meta und TikTok sollen sich bald in eigenen Verfahren zur DSA-Einstufung äußern.
- Berufung angekündigt: Zalando kündigt an, den Fall vor dem EuGH fortzuführen – mit rechtlichen Schutzargumenten für hybride Plattformmodelle.
Fazit
Mit dem Urteil des EU-Gerichts ist klar: Zalando wird seitens der EU als systemrelevanter digitaler Akteur angesehen – und muss als VLOP die vollen DSA-Regeln umsetzen. Diese Entscheidung dürfte für alle großen europäischen Plattformen Konsequenzen haben. Zalando bereitet sich nun auf den nächsten juristischen Schritt vor.

