Amazon Deutschland plant eine deutliche Erhöhung der Einstiegsgehälter für ungelernte Logistikmitarbeiter. Ab September 2025 wird der Stundenlohn auf mindestens 15,65 Euro brutto angehoben. Ab September 2026 sollen sämtliche Logistikstandorte des Unternehmens über 16 Euro pro Stunde zahlen. In den letzten fünf Jahren bedeutet das einen Anstieg der Einstiegsgehälter um rund 23 Prozent.
Breite Wirkung auf Standorte und Belegschaft
Die Lohnerhöhung betrifft bundesweit alle rund 92 Amazon-Standorte, darunter Logistik-, Sortier- und Verteilzentren. Bereits heute liegt der Stundenlohn an 22 Standorten bei mindestens 16 Euro. Mit der angekündigten Anpassung steigt diese Zahl zunächst auf 52, bevor bis Ende 2026 sämtliche Standorte folgen. Amazon beschäftigt in Deutschland mehr als 40.000 festangestellte Mitarbeitende im Logistikbereich. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit erreichen viele Beschäftigte ein Jahresbruttogehalt von über 40.000 Euro. Gespräche mit Betriebsräten zur Umsetzung der Maßnahme laufen bereits.
Einordnung und wirtschaftliche Bedeutung
Amazon verweist auf jährlich steigende Löhne seit 2014. Das Unternehmen nennt die Anpassung einen strategischen Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem angespannten Logistik-Arbeitsmarkt. Die Löhne liegen künftig deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn, der bis 2026 auf 13,90 Euro steigen soll. Auch im Vergleich zur restlichen Branche setzt Amazon damit einen neuen Standard. Parallel zur Lohnerhöhung plant das Unternehmen weitere Standorte und tausende neue Arbeitsplätze. So sollen neue Logistikzentren etwa in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Bayern entstehen.
Reaktionen und Tariffrage
Amazon stellt zusätzlich zum Gehalt umfangreiche Nebenleistungen bereit, darunter ein kostenloses Deutschlandticket, betriebliche Altersvorsorge und verschiedene Versicherungsleistungen. Die Gewerkschaft ver.di begrüßt zwar die Gehaltssteigerung, kritisiert aber weiterhin das Fehlen eines Tarifvertrags. Sie fordert seit Jahren verbindliche tarifliche Regelungen für Beschäftigte und ruft regelmäßig zu Streiks auf. Amazon lehnt eine Tarifbindung bisher ab und verweist auf eigene, freiwillige Lohnanpassungen.
Mögliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Die Lohnerhöhung könnte über Amazon hinaus Wirkung entfalten. Als einer der größten Arbeitgeber im Logistiksektor setzt das Unternehmen mit dieser Entscheidung neue Maßstäbe. Wettbewerber dürften unter Druck geraten, ihre Gehälter anzupassen, um Fachkräfte zu halten. In strukturschwachen Regionen könnten die Anhebungen zudem zu einer allgemeinen Lohnsteigerung in der Logistikbranche führen. Der Arbeitsmarkt dürfte dadurch weiter in Bewegung geraten – mit positiven Effekten für Beschäftigte, aber auch wachsenden Herausforderungen für Arbeitgeber.
Quellen
- Amazon Pressemitteilung vom 29.07.2025
- Deutsche Presse-Agentur (dpa)
- Retail-News.de
- Zeit Online
- Bundesministerium der Finanzen (Mindestlohnentwicklung)
- VerkehrsRundschau (Fachkräftemangel und Gehaltsentwicklung)
