dm testet Gesundheitschecks im Drogeriemarkt – Ärzteverbände schlagen Alarm

Testphase mit Gesundheitsangeboten – und Preissegment unter 15 €

In ausgewählten dm-Märkten startet ab September 2025 ein Pilot mit telemedizinischen Gesundheitschecks:

  • Augenscreening mit Netzhautfotografie und Sehtest (14,95 €),
  • KI-gestützte Hautanalyse, kostenlos, mit Online-Facharztkontakt,
  • Bluttests zur Erkennung von Herz-Kreislauf-Risiken oder Diabetes.

Die Auswertung erfolgt über KI-Partner wie Skleo Health oder Dermanostic, bei auffälligen Befunden erfolgt eine telemedizinische Facharztprüfung.

Kritik: Fachlichkeit, KI-Transparenz, zusätzliche Belastung

Augenärzte (BVA) sowie Dermatologen (BVDD) äußern scharfe Kritik:

  • Fachliche Standards fehlen: „Augengesundheit gehört in fachärztliche Hand“ – das sei im Drogerie-Rahmen nicht gesichert.
  • KI als Blackbox: Begriffe wie „KI geprüft“ oder „ärztlich validiert“ bleiben undefiniert. Wie KI Entscheidungen trifft, bleibt unklar.
  • Systemische Nebenwirkungen: Auffällige, aber möglicherweise fehlerhafte Ergebnisse könnten für höhere Belastungen im ohnehin überlasteten Arztwesen sorgen – mit wenig medizinischem Mehrwert.

dm verteidigt das Konzept: Ergänzung, kein Ersatz

dm erklärt, die Angebote seien niedrigschwellig, ohne Terminpflicht verfügbar und kein Ersatz für den Arztbesuch. Ziel sei es, Patienten in Zeiten langer Wartezeiten eine rasche Orientierung zu bieten und sie bei Auffälligkeiten direkt weiterzuleiten.

Einschätzung & Bedeutung

dm bewegt sich mit diesem Modell an der Schnittstelle zwischen Convenience und medizinischer Verantwortung – ein Markt, der Digital Health und Einzelhandel verschränkt, aber hohe ethische und regulatorische Anforderungen stellt:

  • Verbraucherschnittstelle neu denken: Gesundheitsangebote im Einzelhandel eröffnen neue Zugangswege – doch müssen Qualität, Transparenz und Prozessketten stimmen.
  • Wettbewerb und Preisdruck: Niedrigpreis-Angebote (z. B. 14,95 € statt ca. 50 € bei Mister Spex) setzen Branchenstandards unter Druck – ohne fachärztliche Konzepte kaum nachhaltig.
  • Regulatorisches Risiko: Ohne klare Prozessdefinition, Prüfung und Nachsorge bergen solche Angebote rechtliche und gesundheitliche Risiken.

Fazit

dm geht mit Gesundheitschecks im Drogeriemarkt in eine zukunftsweisende Richtung der integrierten Gesundheitsvorsorge – doch die aktuelle Kritik zeigt: Ohne transparente Qualitätsstandards und klare fachärztliche Absicherung sind solche Modelle eine Gratwanderung. Für Händler:innen wie den gesamten Einzelhandel gilt: Innovation braucht Verantwortung – im Interesse der Kund:innen und des Gesundheitssystems.

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