Die Europäische Kommission hat laut Reuters unangekündigt die Europa-Zentrale des chinesischen Onlinehändlers Temu in Dublin durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen wegen möglicher unlauterer Wettbewerbsvorteile durch staatliche Subventionen aus China. Die Maßnahme erfolgt im Rahmen der neuen EU-Verordnung gegen ausländische Staatshilfen (Foreign Subsidies Regulation, FSR).
Verdacht auf Wettbewerbsverzerrung durch chinesische Subventionen
Temu, eine Tochtergesellschaft des chinesischen E-Commerce-Konzerns PDD Holdings, steht im Verdacht, von staatlichen Förderungen in China zu profitieren, die ihr einen unfairen Wettbewerbsvorteil auf dem europäischen Markt verschaffen. Die EU-Kommission prüft, ob diese Subventionen gegen EU-Recht verstoßen und den Wettbewerb verzerren.
Zollbefreiung für Billigimporte und weitere Ermittlungen
Temu und andere chinesische Plattformen wie Shein profitieren derzeit von einer Zollbefreiung für Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro. Diese Regelung soll bis Ende 2026 abgeschafft werden. Europäische Einzelhändler kritisieren die Befreiung als Wettbewerbsverzerrung. Neben der Subventionsprüfung steht Temu bereits wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act unter Beobachtung.
EU-Kommission bestätigt Durchsuchung
Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte gegenüber Reuters die Inspektion im Rahmen der Foreign Subsidies Regulation. Die Kommission kann bei Verstößen Geldbußen von bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Die Durchsuchung erfolgte aufgrund konkreter Hinweise und dient der Beweissicherung.
Bedeutung für den europäischen E-Commerce
Temu hat sich seit seinem EU-Start 2023 schnell etabliert und zählt laut eigenem Bericht über 116 Millionen monatliche Nutzer:innen in Europa. Die Plattform wirbt mit günstigen Preisen und einem breiten Sortiment. Die laufenden Ermittlungen und die Durchsuchung verdeutlichen den wachsenden regulatorischen Druck auf chinesische Online-Marktplätze in Europa.
