Seit dem 7. Februar 2026 erhebt die EU-Kommission drastische Anti-Dumping-Zölle von 79 Prozent auf eine breite Palette keramischer Erzeugnisse aus China. Die Maßnahme, die deutlich früher als erwartet in Kraft trat, betrifft auch bereits bestellte, aber noch nicht eingeführte Waren. Für viele Händler und Großhändler, die rund 60 Prozent ihres Keramiksortiments aus China beziehen, bedeutet dies eine massive Kostensteigerung und erhebliche Belastungen in laufenden Einkaufszyklen.
Plötzlich steigendes Insolvenzrisiko
Die unerwarteten Zollkosten führen zu hohen Liquiditätsabflüssen, die insbesondere mittelständische Unternehmen mit engen Margen gefährden. Branchenvertreter warnen vor Sortimentseinschränkungen, Preisanstiegen im Handel und einer steigenden Zahl von Geschäftsaufgaben. So rechnet der Einzelhändler Depot mit einem deutlich reduzierten Angebot bei Tischwaren und saisonalen Artikeln. Zudem drohen durch Nachfragerückgänge in der EU und den USA Kapazitätskürzungen oder Fabrikschließungen in China, was Lieferengpässe und weitere Preiserhöhungen verursachen könnte.
Weitere Produktkategorien könnten folgen
Auslöser der Zölle ist eine Beschwerde europäischer Hersteller, die chinesischen Anbietern systematisches Dumping vorwerfen – den Verkauf unter Produktionskosten oder zu marktverzerrenden Preisen. Neben Keramik und Porzellan laufen Untersuchungen in weiteren Bereichen wie Autoreifen und E-Bikes. Diese Ausweitung handelspolitischer Maßnahmen erhöht den Druck auf zahlreiche Wertschöpfungsketten und sorgt für Unsicherheit bei den Einkaufskonditionen.
Online-Handel muss umdisponieren
Die Zölle treiben die Beschaffungskosten im E-Commerce und stationären Handel nach oben. Alternativen aus der EU sind oft teuer oder nicht ausreichend verfügbar. Ersatzsourcing aus Drittstaaten bringt Risiken wie längere Lieferzeiten, begrenzte Kapazitäten und höhere Mindestabnahmemengen mit sich. Erste Händler prüfen verstärkt Kooperationen mit europäischen Produzenten, die jedoch höhere Preise und längere Produktionszyklen bedeuten.
Preisanstiege unausweichlich
Die Maßnahme dürfte eine politische Debatte über den Ausgleich zwischen Industrieschutz und Verbraucherinteressen entfachen. Kurzfristig müssen Handel und Verbraucher mit höheren Preisen und weniger Auswahl rechnen. Ob die Zölle langfristig europäische Produktionsstandorte stärken oder nur die Kosten entlang der Lieferkette erhöhen, bleibt offen. Die Entscheidung trifft einen stark international verflochtenen Markt und hat unmittelbare Auswirkungen vom chinesischen Produktionszentrum Jingdezhen bis zu den europäischen Haushaltswarenregalen.
