Der deutsche Onlinehandel hat seine Erholung im zweiten Quartal 2026 fortgesetzt. Die Umsätze mit Waren stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr lag das Wachstum bei 4,3 Prozent. Besonders stark legten Marktplätze, Waren des täglichen Bedarfs und asiatische Plattformen zu.
E-Commerce stabilisiert den Handel
Trotz eines weiterhin schwachen Konsumumfelds gewann der Onlinehandel zur Jahresmitte wieder an Dynamik. Im zweiten Quartal erreichten die Warenumsätze im E-Commerce rund 21,2 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es rund 20,2 Milliarden Euro.
Auch der interaktive Handel insgesamt, zu dem neben E-Commerce auch Bestellungen per Telefon, Fax oder schriftlich zählen, legte zu. Der Onlineanteil blieb dabei mit 99,5 Prozent nahezu vollständig bestimmend.
Digitale Dienstleistungen entwickelten sich ebenfalls positiv. Dazu zählen unter anderem Reisen, Tickets oder andere digitale Buchungen. Ihr Umsatz stieg im zweiten Quartal um 8,2 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro.
Täglicher Bedarf wächst besonders stark
Die stärksten Zuwächse erzielten Produkte des täglichen Bedarfs. Dieses Cluster wuchs um 10,1 Prozent auf rund 2,77 Milliarden Euro. Besonders deutlich legten Drogeriewaren mit 11,7 Prozent zu.
Auch Medikamente erzielten mit einem Plus von 13,9 Prozent ein starkes Wachstum. Damit verzeichneten Versandapotheken den kräftigsten Umsatzanstieg seit Einführung des E-Rezepts. Weitere Zuwächse gab es bei Lebensmitteln, Tierbedarf sowie DIY- und Blumenartikeln.
Der Modehandel entwickelte sich ebenfalls positiv. Die Umsätze im Bereich Bekleidung stiegen um 4,4 Prozent. Damit konnte das Segment seine Dynamik im Vergleich zum ersten Quartal weiter verbessern.
Schwächer entwickelten sich dagegen Unterhaltung und Einrichtung. Beide Bereiche legten nur um jeweils 2,7 Prozent zu. Möbel, Lampen und Dekorationen lagen mit einem Minus von 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Marktplätze und Hersteller wachsen überdurchschnittlich
Bei den Vertriebskanälen schnitten Online-Marktplätze besonders stark ab. Sie erzielten im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 6,4 Prozent und kamen auf rund 11,5 Milliarden Euro.
Auch Herstellerversender wuchsen mit 6,3 Prozent überdurchschnittlich. Klassische Onlineshops legten um 3,8 Prozent zu, während Multichannel-Händler mit stationärem Ursprung ein Plus von 2,5 Prozent erreichten.
Damit bleibt das Wachstum im Onlinehandel breit verteilt, allerdings entwickeln sich die einzelnen Vertriebsformen unterschiedlich schnell.
Asiatische Plattformen gewinnen weiter Marktanteile
Anbieter aus Asien bauen ihre Position im deutschen Onlinehandel weiter aus. Zur Jahresmitte entfielen 5,3 Prozent des gesamten E-Commerce-Umsatzes auf große asiatische Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress.
Im Modehandel fällt ihr Einfluss noch deutlicher aus. Dort vereinen asiatische Plattformen inzwischen mehr als 16 Prozent aller Bestellungen auf sich. Der Umsatz dieser Anbieter wuchs um mehr als 20 Prozent und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt.
Der seit dem 1. Juli geltende 3-Euro-Pauschalzoll für bestimmte Sendungen unter 150 Euro dürfte nach Einschätzung des bevh nur begrenzt wirken. Als Grund nennt der Verband unter anderem den Aufbau eigener Logistikstrukturen innerhalb Europas.
KI hilft bei der Suche, kauft aber selten selbst
Auch Künstliche Intelligenz spielt im Onlinehandel eine wachsende Rolle. Fast 6 Prozent der Onlinekäufer nutzten KI-Anwendungen bereits zur Informationssuche vor dem Kauf. In den Altersgruppen von 14 bis 29 Jahren sowie 30 bis 39 Jahren lag der Anteil jeweils bei mehr als 10 Prozent.
Eine zusätzliche Befragung zeigt zudem, dass fast ein Drittel der Onlinekunden schon einmal Chatbots nach Produktempfehlungen gefragt hat. Gleichzeitig bleibt die Bereitschaft gering, einer KI ohne weitere Recherche direkt zu folgen.
Nur 12,7 Prozent würden einer Produktempfehlung durch einen Bot weitgehend oder vollständig vertrauen. Noch zurückhaltender zeigen sich Verbraucher beim autonomen Einkauf: 68,6 Prozent lehnen es derzeit vollständig ab, einem KI-Agenten Zugriff auf Bezahldaten zu geben. Nur 9 Prozent wären aktuell bereit, KI-Systeme eigenständig einkaufen zu lassen.
Ausblick
Der Onlinehandel startet mit Wachstum in die zweite Jahreshälfte. Während Marktplätze, asiatische Plattformen und Waren des täglichen Bedarfs besonders stark zulegen, bleibt die Entwicklung in einzelnen Sortimenten deutlich unterschiedlich.
Quelle: Pressemitteilung Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. , 06. Juli 2026
