EU-Kommission eröffnet Verfahren gegen Shein

Die EU-Kommission untersucht Shein wegen süchtig machender Design-Elemente, intransparenter Empfehlungssysteme und illegaler Produkte. Strafen bis zu 10 % des Jahresumsatzes möglich.

Die Europäische Kommission hat ein förmliches Verfahren gegen den chinesischen Online-Händler Shein eingeleitet, um mögliche Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) zu untersuchen. Im Fokus stehen unter anderem süchtig machende Design-Elemente, intransparente Empfehlungssysteme sowie der Verkauf illegaler Produkte.

Prüfung illegaler Produkte

Ein zentraler Untersuchungsgegenstand ist, ob Shein ausreichende Maßnahmen ergriffen hat, um den Verkauf illegaler Produkte in der EU zu verhindern. Dazu zählen unter anderem Inhalte, die als Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern eingestuft werden könnten, wie etwa kindlich anmutende Sexpuppen.

Risiken durch süchtig machendes Design

Die Kommission untersucht zudem die Plattformgestaltung von Shein, insbesondere Mechanismen wie Punktesysteme oder Belohnungen, die Nutzer:innen zu längerer Verweildauer animieren sollen. Solche Funktionen könnten negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Nutzer:innen haben und den Verbraucherschutz beeinträchtigen.

Transparenz der Empfehlungssysteme

Shein muss nach DSA-Vorgaben die zentralen Parameter seiner Empfehlungssysteme offenlegen. Nutzer:innen sollen mindestens eine leicht zugängliche Option erhalten, die ohne Profiling auskommt. Die EU-Kommission prüft, ob Shein diese Transparenzpflichten erfüllt.

Hintergrund und Folgen

Shein ist Hersteller, Händler und Marktplatz zugleich und zählt mit rund 145 Millionen aktiven EU-Nutzer:innen im Jahr 2025 zu den größten Akteuren. Die Einleitung des Verfahrens bedeutet eine vertiefte Untersuchung mit hoher Priorität, wobei der Ausgang offen ist. Verstöße können zu einstweiligen Maßnahmen und Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes führen.

Weitere Entwicklungen

Die EU-Kommission reagiert mit dem Verfahren auf wachsende Kritik an Shein, unter anderem wegen des Verkaufs bedenklicher Produkte und aggressiver Verkaufstaktiken. Greenpeace hatte zuvor gefährliche Chemikalien in Shein-Kleidung nachgewiesen. Parallel läuft auch ein Verfahren gegen den Schwester-Shop Temu.

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