Der Spezialversender Hagen Grote, bekannt für hochwertige Küchenutensilien und Delikatessen, hat beim Amtsgericht Krefeld Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Dies berichtet die WirtschaftsWoche. Das Familienunternehmen will den Geschäftsbetrieb fortführen und sich operativ sowie finanziell neu aufstellen. Die Insolvenz ist ein deutlicher Einschnitt und verdeutlicht die Herausforderungen klassischer Versandhändler im Zeitalter globaler Onlineplattformen.
Vom Katalogprojekt zur Premium-Nische
Gegründet 1987 als kleiner Katalog für ambitionierte Hobbyköche, wuchs Hagen Grote zu einem profitablen Nischenanbieter mit breitem Sortiment und treuer Kundschaft. Das Modell funktionierte lange erfolgreich in einer Handelswelt ohne dominante Plattformen.
Druck durch Plattformen und Konsumflaute
Mit dem Aufstieg internationaler Onlineplattformen wie Temu verschärfte sich der Wettbewerb. Günstige Preise und breite Produktauswahl machten Küchenzubehör und Dekoartikel austauschbarer. Die Konsumlaune sank, was zu Umsatzrückgängen von 22 % in 2023 und weiteren 11 % in 2024 führte. Hagen Grote steht vor der Herausforderung, weder im Preiskampf mitzuhalten noch vollständig auf ein Manufakturmodell umzuschwenken.
Sanierung mit externer Begleitung
Die Eigenverwaltung soll eine geordnete Neuaufstellung ermöglichen. Als vorläufiger Sachwalter wurde Thomas Ellrich (Voigt Salus) bestellt, begleitet von den Sanierungsexpert:innen Boris Ober, Hannah Schütte (Luther) und Daniel Schlink (Montag & Montag). Die 87 Mitarbeitenden erhalten Insolvenzgeld bis April.
Strategische Fragen und Chancen
Im Fokus stehen Kostenoptimierung, margenträchtige Sortimente und die Suche nach einem Investor. Hagen Grote verfügt über einen hohen Markenwert und eine loyale, wenn auch alternde Kundschaft. Chancen sieht das Unternehmen in einer klareren Premiumpositionierung, exklusiven Produktlinien, Kooperationen mit Spitzenköchen und einem Ausbau des Delikatessenbereichs.
Fazit
Die Insolvenz in Eigenverwaltung bietet Hagen Grote die Chance, das Geschäftsmodell zu modernisieren und wirtschaftlich neu auszurichten. Der Fall zeigt exemplarisch die Herausforderungen etablierter Spezialversender im globalen Wettbewerb und den anspruchsvollen Weg zurück zur Profitabilität.
