Asiatische Billigplattformen wie Temu und Shein gewinnen trotz bekannter Qualitätsmängel und Sicherheitsbedenken weiter an Beliebtheit in Deutschland. Eine aktuelle bevh-Umfrage zeigt: Für viele Verbraucher:innen steht nicht die Überzeugung, sondern finanzielle Not im Vordergrund.
Hoher Anteil aus finanzieller Not
Rund 24,4 % der Befragten gaben an, nicht über genügend Geld zu verfügen, um sich qualitativ höherwertige Produkte leisten zu können. Der ursprüngliche Reiz günstiger Schnäppchen tritt dabei oft in den Hintergrund. Daniela Bleimaier vom bevh erklärt: „Immer mehr Menschen sehen keine andere Wahl, als den Gürtel enger zu schnallen und Risiken bei Qualität und Sicherheit in Kauf zu nehmen.“
Jüngere Verbraucher offen für Billigplattformen
Über 60 % der unter 30-Jährigen nennen Preisnachlässe und Sonderangebote als Hauptgrund für ihren Einkauf bei Temu & Co. In der Gesamtbevölkerung hingegen wollten 76,8 % ihre Gründe nicht offenlegen – ein Hinweis auf mögliche Imageprobleme der Plattformen.
Umgang mit Risiken
Trotz Warnungen aus Medien und Verbraucherschutz vertrauen 40,2 % der Käufer:innen den Berichten nicht. 53,5 % glauben, selbst beurteilen zu können, ob Produkte sicher sind. Rund ein Drittel nutzt bewusst das Rückgaberecht, um Ware zunächst zu testen und gegebenenfalls zurückzugeben.
Forderungen an Politik und Handel
Alien Mulyk, Geschäftsführerin Public Affairs beim bevh, sieht darin eine Herausforderung: „Solange die wirtschaftliche Lage vieler Menschen angespannt ist, sind Appelle zu Sicherheit und Nachhaltigkeit schwer durchsetzbar.“ Sie fordert bessere Rahmenbedingungen, damit Verbraucher:innen wieder sichere und nachhaltige Kaufentscheidungen treffen können. Bis dahin sei es Aufgabe von Behörden und Zoll, geltendes Recht durchzusetzen und Risiken zu minimieren.
