Amazon führt ab Juli 2026 schrittweise strengere Vorgaben für Händler ein, die ihre Bestellungen selbst versenden (Fulfillment by Merchant, FBM). Im Mittelpunkt stehen höhere Anforderungen an die Lieferqualität, kürzere Standard-Bearbeitungszeiten und neue Kennzahlen für Geschäftskunden. Händler, die die Vorgaben nicht erfüllen, müssen ab September beziehungsweise Oktober mit Einschränkungen ihrer Angebote rechnen.
Neue Quote für pünktliche Lieferungen
Ab dem 15. Juli 2026 erwartet Amazon von FBM-Händlern eine Rate pünktlicher Lieferungen von mindestens 90 Prozent. Die Kennzahl misst, wie viele Bestellungen spätestens am zugesagten Liefertermin beim Kunden eintreffen.
Wer diese Vorgabe dauerhaft unterschreitet, muss ab 1. September 2026 mit Konsequenzen rechnen. Amazon kann betroffene Angebote deaktivieren oder Händlern die Möglichkeit entziehen, neue FBM-Produkte einzustellen.
Die Kennzahl lässt sich im Dashboard für die Verkäuferleistung überwachen.
Standard-Bearbeitungszeit wird verkürzt
Parallel passt Amazon die Standard-Bearbeitungszeiten auf dem deutschen Marktplatz an. Ab dem 15. Juli 2026 stehen auf Kontoebene nur noch 0 oder 1 Tag als Standardbearbeitungszeit zur Verfügung.
Konten, die bisher standardmäßig mit zwei Tagen Bearbeitungszeit arbeiten, werden automatisch auf einen Tag umgestellt. Eine längere Bearbeitungszeit kann weiterhin für einzelne Artikel auf SKU-Ebene hinterlegt werden.
Ab 1. September 2026 greift zudem die automatische Bearbeitungszeit für bestimmte Produkte. Überschreitet die eingestellte Bearbeitungszeit einer SKU über einen Zeitraum von mehr als 30 Tagen die tatsächlich erreichte Versandgeschwindigkeit, kann Amazon diese automatisch anpassen, um schnellere Lieferzusagen abzubilden.
Zusätzliche Vorgaben für Amazon-Business-Bestellungen
Zum 30. September 2026 führt Amazon eine weitere Leistungskennzahl für Geschäftskunden ein. Künftig sollen mindestens 90 Prozent der FBM-Sendungen an Amazon-Business-Kunden innerhalb deren Betriebszeiten zugestellt werden.
Erfüllen Händler diese Anforderung nicht, können ab 30. Oktober 2026 betroffene Angebote für Geschäftskunden deaktiviert werden.
Mit der neuen Kennzahl möchte Amazon die Zahl erfolgloser Zustellversuche reduzieren und die Zustellung an Unternehmen zuverlässiger gestalten.
Neue Zollvorgaben für Sendungen aus Drittländern
Bereits seit 1. Juli 2026 gelten außerdem neue Anforderungen für Sendungen, die von außerhalb der Europäischen Union an Empfänger innerhalb der EU verschickt werden.
Für Waren mit einem Wert unter 150 Euro, die über das Import-One-Stop-Shop-Verfahren (IOSS) eingeführt werden, müssen Händler einen zugelassenen Transportdienstleister nutzen und die erforderlichen Zollinformationen, darunter die IOSS-Nummer von Amazon sowie die jeweiligen Produktdaten, an den Versanddienstleister übermitteln.
Amazon empfiehlt zusätzliche Automatisierungen
Zur Verbesserung der Lieferleistung empfiehlt Amazon den Einsatz zuverlässiger Versanddienstleister sowie die Nutzung verschiedener Automatisierungsfunktionen. Dazu gehören unter anderem:
- automatische Bearbeitungszeiten,
- automatisierte Versandeinstellungen,
- der Kauf von Versandetiketten über Amazon.
Bestellungen, bei denen alle drei Funktionen genutzt werden, fließen laut Amazon nicht in die Kennzahlen zur pünktlichen Lieferung oder zur Zustellung innerhalb der Geschäftszeiten ein.
