Bei einer umfangreichen Kontrolle von Shein-Sendungen am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle hat der französische Zoll erhebliche Mängel festgestellt. Wie Le Parisien unter Berufung auf AFP berichtet, waren rund 25 Prozent der geprüften Nicht-Textilartikel nicht konform mit geltenden EU- und nationalen Vorschriften. Insgesamt wurden 320.474 Pakete überprüft, wobei vor allem Kosmetika, Elektrogeräte und Spielwaren beanstandet wurden.
Festgestellte Verstöße und Korrektur früherer Angaben
Die Beanstandungen umfassen gefälschte Produkte, fehlende oder unzureichende Kennzeichnungen, mangelhafte Gebrauchsanweisungen sowie Sicherheitsmängel bei Spielwaren. Die neuen Zahlen relativieren frühere Angaben der französischen Regierung, die kurz nach der Aktion von etwa 80 Prozent nicht konformer Produkte sprach. Für Textilwaren, das Kernsortiment von Shein, wurden nur wenige Verstöße festgestellt. Dies erklärt sich dadurch, dass Shein seinen Marktplatz für Drittanbieter in Frankreich am 5. November 2025 vorübergehend geschlossen hatte – einen Tag vor der Zollaktion.
Politischer Kontext und weitere Maßnahmen
Die Kontrolle fand in einem angespannten politischen Umfeld statt: Einen Tag vor der Zollaktion hatte die französische Regierung ein Verfahren zur Suspendierung von Shein eingeleitet, nachdem auf der Plattform Puppen mit pädophilem Bezug entdeckt wurden. Das Pariser Gericht lehnte eine vorläufige Sperre als unverhältnismäßig ab, da Shein die beanstandeten Produkte entfernt hatte. Die Regierung legte gegen diese Entscheidung Berufung ein.
Shein kündigte ein internes Audit an, um künftig europäische Drittanbieter erst nach erfolgreicher Prüfung wieder zuzulassen.
Kleinpaket-Boom und regulatorischer Druck
Die Zahl der in Frankreich ankommenden Kleinpakete ist von 170 Millionen im Jahr 2022 auf 773 Millionen im Jahr 2024 gestiegen, rund 97 Prozent stammen aus China. Diese Entwicklung führt zu verstärktem regulatorischem Handlungsbedarf. Ab Juli 2026 plant die EU eine pauschale Abgabe von drei Euro pro Kleinpaket, in Frankreich könnte diese Gebühr sogar auf fünf Euro steigen. Ziel ist es, den massenhaften Import von Billigwaren zu regulieren und faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Händler zu schaffen.