Shein PFAS: Deutsche Umwelthilfe verklagt Shein wegen belasteter Kinderjacken

Die Deutsche Umwelthilfe hat Shein verklagt. Laut Labortests lagen PFAS-Werte in Kinder- und Jugendjacken teils mehr als 12.000-fach über dem EU-Grenzwert.
Shein PFAS: Von der DUH getestete Shein-Kleidung Shein PFAS: Von der DUH getestete Shein-Kleidung
Foto: Erdmann/DUH

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Shein verklagt. Das teilte die Umweltorganisation in einer Pressemitteilung mit. Hintergrund sind Labortests, bei denen in Shein-Textilien, vor allem in Jacken für Kinder und Jugendliche, die EU-Grenzwerte für sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) überschritten wurden. Über den Fall Shein PFAS berichten auch etailment und Wortfilter.

Klage vor dem Landgericht Berlin II

Die Klage läuft laut DUH beim Landgericht Berlin II unter dem Aktenzeichen 103 O 102/26. Beklagt ist die Infinite Styles Ecommerce Co., Ltd. mit Sitz in Dublin, die den deutschen Shein-Onlineshop betreibt. Die DUH reichte die Klage laut Wortfilter am 22. Oktober 2026 ein.

Shein hat die beanstandeten Artikel laut DUH aus dem Shop genommen. Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung, keine Textilien mit PFAS-Werten über den EU-Grenzwerten mehr anzubieten, lehnt das Unternehmen aber ab. Mit der Klage will die DUH Shein deshalb dauerhaft zur Unterlassung verpflichten. Eine Stellungnahme von Shein zur Klage liegt laut Wortfilter nicht vor.

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Shein PFAS: Das zeigen die Labortests

Diese Ergebnisse nennt die DUH:

  • Im Mai 2026 fand das Bremer Umweltinstitut im Auftrag der DUH bei 15 von 18 Shein-Textilien deutliche Überschreitungen der EU-Grenzwerte für PFAS.
  • Eine Kapuzenjacke für Jugendliche lag mehr als 12.000-fach über dem Grenzwert.
  • Knapp 40 Prozent der 18 getesteten Produkte hätten laut DUH in der EU nicht verkauft werden dürfen.
  • Im August 2026 bestätigte das akkreditierte Labor Intertek die Befunde. In den drei am stärksten belasteten Jacken fand es zusätzlich das als fortpflanzungsgefährdend eingestufte Abbauprodukt PFDA, und zwar in doppelt so hoher Konzentration wie erlaubt.

Besonders für Kinder sieht die DUH Risiken: PFDA liegt laut DUH bereits beim Kauf frei im Textil vor. Es kann über die Haut oder den Mund aufgenommen werden, etwa wenn Kinder an Ärmeln oder Kragen kauen.

„Grenzwerte gelten, bevor ein Produkt verkauft wird – nicht erst, wenn jemand nachmisst“, sagt Rechtsanwältin Karoline Borwieck von der Kanzlei Geulen & Klinger, die die DUH vertritt. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz kritisiert, das Geschäftsmodell von Shein setze auf Masse statt auf Sicherheit. „Deshalb ziehen wir vor Gericht“, sagt Metz.

Forderungen an die Bundesregierung

Zudem fordert die DUH von Bundesumweltminister Carsten Schneider ein wirksames Anti-Fast-Fashion-Gesetz im geplanten Textilgesetz. Dazu gehören laut DUH eine verbindliche Ökomodulation, durch die schadstoffbelastete Wegwerfmode teurer wird, und ein Transformationsfonds aus Herstellerbeiträgen. Das Bundesumweltministerium will das Textilgesetz laut Wortfilter in den kommenden Wochen vorlegen.

Für Onlinehändler weist Wortfilter darauf hin, dass die Grenzwerte aus der REACH- und der POP-Verordnung für jedes in der EU verkaufte Produkt gelten, unabhängig vom Herstellungsland.

Mehr zu Shein: Shein zahlt 100 Millionen Dollar an US-Handelsaufsicht FTC.

Quellen: Deutsche Umwelthilfe, Pressemitteilung, 04.11.2026; etailment, 05.11.2026; Wortfilter, 05.11.2026

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