Shein zahlt 100 Millionen US-Dollar, um eine Untersuchung der US-Verbraucherschutzbehörde FTC (Federal Trade Commission) beizulegen. Dabei ging es um Lieferverzögerungen und weitere Kundenbeschwerden. Das berichtet Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Shein bestätigte die Einigung gegenüber Reuters und kündigte weitere Informationen an. Die FTC äußerte sich zunächst nicht.
Laut Retail-News entspricht die Summe rund 44 Prozent des Gewinns, den Shein im zweiten Quartal 2026 erzielt hat.
Über 12.000 Beschwerden
Im Fall Shein FTC gingen zwischen Januar 2020 und Juni 2026 laut ausgewerteten Behördenunterlagen mehr als 12.000 Beschwerden ein. Sie betrafen Einkäufe im Wert von über elf Millionen Dollar. Ein Teil davon drehte sich um Zustellprobleme: Bestellungen galten im System als zugestellt, kamen aber nie an. Außerdem kritisierten Kunden eine unzureichende Bearbeitung durch den Kundenservice. Reuters konnte die einzelnen Vorwürfe allerdings nicht unabhängig prüfen.
Bereits im Juli hatte Shein das FTC-Verfahren erwähnt und in den Unterlagen für seinen Börsengang in Hongkong auf das Risiko hoher Strafzahlungen aus dem US-Verfahren hingewiesen.
Shein-Aktie seit Börsenstart im Minus
Seit der Erstnotierung am 1. September 2026 hat die Shein-Aktie laut Reuters rund 22 Prozent an Wert verloren. Zusätzliche Importkosten und wachsender Wettbewerb belasten die Wachstumsaussichten. Konzernchef Sky Xu kündigte im September deshalb an, stärker auf höherpreisige Marken zu setzen. Damit will Shein die Profitabilität verbessern und weniger abhängig von besonders günstigen Artikeln werden.
Nach Shein FTC-Vergleich: auch Druck in Europa
Auch in Europa steht Shein unter Beobachtung. Die EU-Kommission prüft den Umgang mit mutmaßlich illegalen Produkten und bestimmte Gestaltungen des Onlineangebots. Neben eigener Mode betreibt Shein auch einen Marktplatz für externe Händler, unter anderem mit Spielwaren, Haushaltsgeräten und Einrichtung. Die französische Datenschutzbehörde verhängte 2025 zudem eine Geldbuße von 150 Millionen Euro wegen unzulässiger Cookie-Praktiken.
Neben dem Vergleich mit der FTC sorgt Shein also auch in Europa für Schlagzeilen. Das Unternehmen wurde in China gegründet und hat seinen Sitz heute in Singapur. Mehr zum Verfahren in der EU lesen Sie in unserem Beitrag über das Verfahren der EU-Kommission gegen Shein.
Quellen: Reuters, Retail-News