Amazon setzt beim Strom für seine Rechenzentren weiter auf Atomkraft. Gemeinsam mit dem Reaktorentwickler X-energy und dem Energieversorger American Electric Power (AEP) prüft der Konzern den Bau von zwölf modularen Kleinreaktoren im US-Bundesstaat Indiana. Die Anlage soll zusammen 960 Megawatt CO₂-freien Strom liefern, für das regionale Netz und für Amazons Rechenzentren. Die drei Unternehmen haben dazu eine Vereinbarung unterzeichnet.
Amazon Atomkraft: Zwölf Reaktoren auf altem Kohlekraftwerk
Als Standort ist das stillgelegte Kohlekraftwerk Breed Generating Station im Sullivan County vorgesehen. Dort sollen zwölf Reaktoren vom Typ Xe-100 entstehen. Amazon finanziert die Projektentwicklung mit und will nach der Inbetriebnahme als erster Kunde Strom abnehmen. X-energy liefert die Reaktortechnik. AEP betreibt über seine Tochter Indiana Michigan Power bereits seit mehr als 50 Jahren ein Kernkraftwerk.
Laut den Partnern könnten durch das Amazon Atomkraft-Projekt während des Baus mehr als 1.000 Arbeitsplätze entstehen, im Betrieb über 100 dauerhafte Stellen. Die Vereinbarung dient allerdings zunächst der Prüfung. Eine Investitionsentscheidung, einen Baubeginn oder einen Termin für die Inbetriebnahme gibt es laut Retail-News noch nicht.
So funktioniert der Xe-100
- Jeder Reaktor leistet 80 Megawatt.
- Es handelt sich um einen gasgekühlten Hochtemperaturreaktor mit Helium als Kühlmittel.
- Als Brennstoff dient TRISO. Dabei ist Uran in mehrere Schichten Keramik eingeschlossen. Das US-Energieministerium nennt ihn den „robustesten Kernbrennstoff der Welt“.
- Laut Amazon verhindert die Bauweise eine Kernschmelze durch physikalische Prinzipien, nicht durch aktive Systeme oder menschliches Eingreifen.
- Die Kühlung kann per Luft, Wasser oder kombiniert erfolgen. Das eignet sich auch für Regionen mit wenig Wasser.
Amazon Atomkraft: Mehr als fünf Gigawatt bis 2039
Das Projekt in Indiana ist dabei bereits das zweite der Zusammenarbeit von Amazon und X-energy. Das erste ist die Cascade Advanced Energy Facility im Bundesstaat Washington. Gemeinsam wollen die Partner bis 2039 mehr als fünf Gigawatt zusätzliche Kernkraft in den USA ermöglichen.
Die Verbindung zu X-energy entstand über den Climate Pledge Fund, Amazons Investitionsprogramm über zwei Milliarden US-Dollar. 2024 führte Amazon eine Finanzierungsrunde von X-energy an, die mit 700 Millionen US-Dollar abschloss. Das Geld fließt unter anderem in Reaktordesign, Genehmigungen und eine Brennstofffabrik in Oak Ridge, Tennessee.
Amazon Atomkraft und die Stromkosten der Haushalte
Hintergrund für Amazons Schritt zur Atomkraft ist der stark wachsende Strombedarf von Rechenzentren, vor allem durch KI und Cloud-Dienste. Amazon hat sich Anfang 2026 im Rahmen einer Initiative des Weißen Hauses verpflichtet, die vollen Stromkosten seiner Rechenzentren selbst zu tragen, einschließlich neuer Infrastruktur. AEP kündigte zudem an, die Stromkosten für Haushalte ab 2027 um 100 US-Dollar zu senken und die Tarife danach drei Jahre stabil zu halten.
Insgesamt finanziert Amazon nach eigenen Angaben mehr als 700 CO₂-freie Energieprojekte weltweit mit über 40 Gigawatt Leistung. Bis 2040 will der Konzern netto keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Ob die Reaktoren in Indiana tatsächlich gebaut werden, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung und den Genehmigungen ab. Mehr zu Amazon lesen Sie auch in unserem Beitrag über deutsche Amazon-Händler.
Quellen: Amazon, Retail-News