Ein französisches Berufungsgericht hat den Versuch der Regierung, den Online-Marktplatz Shein vorübergehend in Frankreich zu sperren, erneut abgelehnt. Trotz Vorwürfen illegaler Produkte wie realitätsnaher Sexpuppen mit kindlichem Aussehen und verbotener Waffen bleibt die Plattform weiterhin zugänglich. Das Gericht bewertete die geplante dreimonatige Sperre als unverhältnismäßig und bestätigte damit eine frühere Entscheidung berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Hintergrund und Reaktionen
Die französische Verbraucherschutzbehörde hatte mehrere rechtswidrige Produkte auf Shein entdeckt, was zu einer Forderung des Wirtschaftsministeriums nach einer temporären Sperrung führte. Shein reagierte umgehend, entfernte die betroffenen Artikel und setzte die gesamte Kategorie für Erwachsenenartikel weltweit aus. Zudem verschärfte die Plattform die Kontrollmechanismen für Händler und Produkte, um regulatorische Vorgaben besser einzuhalten und das Vertrauen der Nutzer zu stärken.
EU-weite Untersuchungen und politischer Druck
Der Fall hat Signalwirkung über Frankreich hinaus: Die EU-Kommission untersucht Shein im Rahmen des Digital Services Act wegen möglicher Verstöße gegen Verbraucherschutz- und Transparenzpflichten. Trotz des Gerichtsurteils bleibt der politische Druck hoch, insbesondere in Frankreich, wo Shein wegen Fast-Fashion-Praktiken und mangelnder Transparenz in der Lieferkette kritisiert wird.
Bedeutung für den digitalen Handel
Die Entscheidung des Pariser Gerichts verdeutlicht, dass weitreichende Eingriffe in digitale Plattformen rechtlich hohe Hürden haben und verhältnismäßig sein müssen. Sie markiert eine Zwischenetappe im laufenden Konflikt um die Regulierung globaler Online-Marktplätze und die Balance zwischen Verbraucherschutz und unternehmerischer Freiheit.