Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland steigt 2026 deutlich stärker als erwartet. Wie der Kreditversicherer Allianz Trade in einer Pressemitteilung vom 27. Oktober 2026 mitteilt, dürften die Unternehmensinsolvenzen um 8 Prozent auf 25.900 Fälle zulegen. Das wäre laut Allianz Trade der höchste Stand seit 13 Jahren. Und auch 2027 erwartet der Kreditversicherer keine Besserung.
Firmenpleiten 2026: Prognose deutlich angehoben
Im Frühjahr hatte Allianz Trade für 2026 laut Pressemitteilung noch ein Plus von 2 Prozent erwartet, bei anhaltendem Nahostkonflikt von 4 Prozent. Die neue Prognose fällt damit deutlich höher aus. Seit 2021 sind die Insolvenzen in Deutschland laut Allianz Trade um 85 Prozent gestiegen. Das Niveau liegt 30 Prozent über dem Vorkrisenniveau, aber deutlich unter den Höchstwerten der Finanzkrise.
- 2026: plus 8 % auf 25.900 Fälle
- 2027: Stabilisierung (0 %) auf unverändert hohem Niveau von 25.900 Fällen
- 2028: minus 5 % auf 24.600 Fälle, laut Allianz Trade die erste spürbare Entspannung
Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagt: „Für 2027 ist erst einmal keine Entspannung in Sicht.“
Firmenpleiten: Diese Branchen trifft es besonders
Von Firmenpleiten besonders betroffen sind laut Allianz Trade Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie. Als Treiber nennt die Pressemitteilung den Nahostkonflikt, die Konjunkturflaute, den Fachkräftemangel und hohe Betriebskosten.
Hinzu kommt laut Allianz Trade die Exportabhängigkeit. Denn in wichtigen Exportmärkten steigen die Insolvenzen stark, was deutsche Firmen über die Lieferketten belastet. Bogaerts sagt dazu laut Onlinehändler News: „Deutschland ist als exportorientierte Volkswirtschaft besonders anfällig für steigende Insolvenzen im Ausland.“
Weltweit fünfter Anstieg in Folge
Auch weltweit steigen die Firmenpleiten laut Allianz Trade weiter: nach plus 6 Prozent im Jahr 2025 um 5 Prozent im Jahr 2026 und um 1 Prozent im Jahr 2027. Das wäre der fünfte Anstieg in Folge. Den Höhepunkt erwartet Allianz Trade erst 2028.
Durch Firmenpleiten sind laut Allianz Trade rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze in den Jahren 2026 und 2027 weltweit direkt gefährdet. Davon entfallen knapp 60 Prozent (1,6 Millionen) auf Europa, darunter 268.000 in Frankreich, 239.000 in Deutschland und 213.000 im Vereinigten Königreich. Für Europa und Nordamerika sei das ein 13-Jahres-Hoch. Maxime Lemerle, leitender Analyst für Insolvenzforschung, sagt: „Insgesamt sind das Baugewerbe, der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor am stärksten betroffen.“
Hohe Zinsen und anfällige junge Firmen
Als Gründe nennt Allianz Trade unter anderem schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Energiekosten, begrenzte staatliche Hilfen und länger hohe Zinsen. Allianz-Trade-CEO Aylin Somersan Coqui sagt: „60 % der Länder werden 2027 höhere Leitzinsen beibehalten als in den vorangegangenen 12 bis 24 Monaten.“
Zudem stieg die Zahl aktiver Unternehmen von 2021 bis 2025 laut Allianz Trade um rund 10 Prozent. Viele Neugründungen seien jedoch finanziell anfällig. Weniger als die Hälfte der neuen europäischen Unternehmen bestehe länger als fünf Jahre.
Welche Rolle spielt KI bei Firmenpleiten?
Allianz Trade hat außerdem acht EU-Länder und neun Branchen untersucht. Ein allgemeiner Zusammenhang zwischen KI-Einsatz und Insolvenzen zeigt sich laut Pressemitteilung bisher nicht. Ausnahme sind kleinere, wenig diversifizierte Märkte: Dort könne KI Insolvenzen beschleunigen, weil frühe Anwender Nachzügler verdrängen. In Belgien und Schweden liegt die KI-Einführungsrate mit 35 Prozent am höchsten.
Zum Vergleich die offiziellen Zahlen aus dem Vorjahr: Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigen 2025 um 10,3 Prozent.
Quellen: Allianz Trade Pressemitteilung, 27.10.2026; Onlinehändler News (Händlerbund), 28.10.2026